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Zufällig bin ich bei Instagram auf das Angebot des London Transport Museum zu Hidden London gestoßen. Die Angebote zu den versteckten Orten in London sind zeitlich immer sehr begrenzt verfügbar und schnell ausgebucht. Dieses Jahr hat es zum Glück mal gepasst und ich konnte die Aldwych Station besuchen.

Mein Besuch in der Aldwych Station

Der Eingang zur Station ist an der Ecke The Strand/Surrey Street. Dort ist auch der Treffpunkt für die Führung. Die Mitarbeiter des Transport Museums kontrollieren hier die Tickets, bevor es dann gemeinsam in die Station geht.

Insgesamt ist die Tour strikt organisiert und hält sich an einen genauen Zeitplan. Auch wird die Gruppe immer von mehreren Mitarbeitern begleitet (bewacht), so dass niemand falsch abbiegen oder verschwinden kann.

Die Führung startet in der Eingangshalle mit einer kurzen Vorstellung der Guides und einer Einführung in die Geschichte der Station. Am Ende gibt es alle Infos übrigens nochmal als handliche Broschüre.

Die Station wurde 1907 eröffnet und ist seither eine Besonderheit. Ihr ursprünglicher Name war „Strand“ und sie wurde erst 1915 in „Aldwych“ umbenannt.

Hidden London Aldwych Station
Leider nicht mehr die Orignale, aber irgendwie schick waren die Fliesen schon.

Alle damals von Leslie Green geplanten Stationen haben ein ähnliches Design, das man auch hier wiederfindet. Rote Ziegelsteine im Außenbereich, sowie grüne und beige Fliesen im Innenbereich. Die Station hat 2 Bahnsteige, wobei der östlich seit 1914 nicht mehr genutzt wurde. Er wurde im ersten Weltkrieg als Lagerraum für Kunstgegenstände und Bilder der National Gallery genutzt. Der westliche wurde als Schutzraum in beiden Weltkriegen verwendet.

Nach der interessanten Einführung ging es dann die Treppe (160 Stufen) hinunter zu den Bahnsteigen. Unten angekommen konnten wir noch einen Blick auf die Fahrstuhlschächte werfen, bevor es dann zum östlichen Bahnsteig ging.

Der östliche Bahnsteig

Hidden London Aldwych Station
Der östliche Bahnsteig

Beide Bahnsteige sind verglichen mit dem heutigen Standard sehr kurz, trotzdem aber sehr beeindruckend. An den Wänden finden sich noch die Überreste alter Plakate und Werbetafeln. Bereits seit seiner Schließung wird dieser Bahnsteig für Testzwecke und als Filmkulisse genutzt. Denn wo könnte man besser neue Designs und Elemente testen als in einem originalgetreuen Bahnhof. So wurden hier in der 60er Jahren die  Design für die Victoria Line getestet. Auch der Umbau der Piccadilly Circus Station wurde hie zunächst erprobt.

Seit den 80er Jahren findet ihr den Bahnsteig unter verschiedenen Namen auch in diversen Filmen wieder. So wurde die Szenen für Superman 4, V für Vendetta, Darkest Hour und aktuell für die neue Sherlock Serie, hier gedreht. Die vollständige Liste steht in der Broschüre.

Die Enden das Bahnsteig sind übrigens heute verschlossen.

Der westliche Bahnsteig

Hidden London Aldwych Station
Der westliche Bahnsteig.

 

Hidden London Aldwych Station
Ein Aufzug mit Charm.

Dieser Bahnsteig wurde noch bis 1994 aktiv genutzt, allerdings bereits seit 1958 nur noch während der Rush Hour. In beiden Weltkriegen diente er als sicherer Unterschlupf für viele hunderte Londoner. Heute steht hier ein unlackierte Zug von 1972. Im Gegensatz zum östlichen Bahnsteig sind die Tunnelenden hier nicht verschlossen, aber abgesperrt.

Näheres zur Nutzung während der Weltkriege erfahrt ihr während einer kurzer Audio Vorführung die innerhalb des Zug abgespielt wird. Im Anschluss geht es dann die 160 Stufen zurück in den Eingangsbereich.

Zum Abschluss der Tour ging es in den Aufzug. Dieser ist zwar seit 1994 außer Betrieb kann natürlich noch besichtigt werden. Früher wurde hier während der Fahrt nach unten die Tickets verkauft. Die Schalter im Eingangsbereich wurde erst viel später installiert.

Interessant ist vor allen Dingen die hexagonale Form. So konnte der Runde Schacht am effektivsten mit 2 Aufzügen genutzt werden. Zwischen den Aufzügen konnte ein Verbindungstür geöffnet werden. Dies war auch notwendig, um im Notfall die Passagiere vom einen in der anderen Aufzug evakuieren zu können.

Alles in allem hat mir die Führung sehr gut gefallen und ich habe viele spannende und neue Eindrücke gewonnen. Sicherlich werde ich in Zukunft auch die ürbigen Hidden Place in London besichtigen.


Über Hidden London

Hidden London ist das exklusive Programm des London Transport Museums für Touren und Veranstaltungen an stillgelegten Bahnhöfen und geheimen Orten in ganz London. Ihr werdet von erfahrenen Guides durch die verschiedenen Angebote geführt. Hier erfahrt ihr aus erster Hand ungewöhnliche und wenig bekannte Geschichten rund um die abwechslungsreiche Geschichte der Stationen und Orte. Die Gruppengröße ist stets sehr begrenzt, sodass ihr in Ruhe die jeweiligen Orte erkunden könnt. Alle Führungen sind ausschließlich auf Englisch.

Die Angebote sind zeitlich begrenzt und daher nicht das ganze Jahr über verfügbar. Schaut einfach regelmäßig auf der Seite des London Transport Museums vorbei oder abonniert den Newsletter.

Tipp Mit dem eurer Eintrittkarte erhaltet ihr einmalig 50% Rabatt auf den Eintritt ins London Transport Museum. Der Rabatt gilt bis zu 30 Tagen nach der Führung. Also ein gute Gelegenheit mal das Museum am Covent Garden zu besuchen.

 

Wer in einer alten Stadt wie London unters Pflaster schaut, findet leicht verborgene Schätze. Man muss auf alles gefasst sein: ein Fresko aus dem 1. Jahrhundert, ein Paar mittelalterliche Schlittschuhe, oder auch ein Elefantenzahn wurde schon gefunden.

Bewegte Historie

London ist eine der ältesten europäischen Hauptstädte und hier lebten nacheinander Römer, Sachsen, Normannen, Tudors, Georgianer, Regency-Dandys und Viktorianer. Alle veränderten die Stadt, schufen neue prunkvolle Bauten und legten eine neue Lage über das schon Bestehende. Heute liegt London auf einer neun Meter dicken archäologischen Schichttorte.

verborgene Schätze im Untergrund

Das Problem dabei: London ist zugleich eine höchst lebendige Stadt und es ist immer etwas in Bewegung. Eine Großbaustelle folgt auf die andere. In der Nähe der Farringdon Station lag im Mittelalter ein großer Pestfriedhof. Anhand der Gebeine, die dort gefunden wurden, lässt sich das Leben in jener harten Zeit rekonstruieren.

Auf den Straßen London herrscht eigentlich immer reger Verkehr. Daher ergeben sich für die Archäologen sich nur selten und kurz Gelegenheiten, den Betondeckel zu heben und unter der Erde nach archäologischen Artefakten zu graben.

Doch seit im historischen Zentrum ein Bauboom ausgebrochen ist, haben Forscher die einmalige Chance, einen Blick unter die Oberfläche zu werfen und die Geschichte der Stadt zu erforschen. Die Ausbeute ist überwältigend. Die bisherigen Funde umfassen ein beachtliches Spektrum. So gibt es Funde aus dem frühen Mesolithikum (vor etwa 11000 Jahren) bis zur späten viktorianischen Zeit gegen Ende des 19.Jahrhunderts.

Farringdon Station
Farringdon Station

Aber auch alte, schon vor Jahrhunderten aufgelöste, dann überbaute und vergessene Friedhöfe werden bei den Bauarbeiten immer wieder entdeckt. Die Ausgrabungen liefern faszinierende Momentaufnahmen der Londoner Lebensverhältnisse im Lauf der letzten Jahrhunderte.
Auf der großen Baustelle wo bald der europäische Hauptsitz des Medienimperiums von Bloomberg London, eröffnet werden soll, stießen die Arbeiter in der zwölf Meter tiefen Baugrube auf eine der bedeutendsten frührömischen Stätten, die je in London entdeckt wurden. Mitten im alten Bezirk Cordwainer kamen nach und nach ganze Straßen, Fachwerkhäuser und Läden mit eingezäunten Vorgärten aus der Zeit nach 60 n. Chr. zum Vorschein. Sie waren so gut erhalten, dass selbst die Archäologen nur staunen konnten. Über 14 000 Artefakte wurden im Laufe der Grabungsarbeiten gefunden, darunter Münzen, Amulette, Zinnteller, Keramiklampen, Lederstiefel und -sandalen und mehr als 900 Kisten mit Töpferware. Sie helfen das Alltagsleben im römischen London besser zu verstehen.
Viele Funde sind sehr gut erhalten, denn früher floss hier, mitten im römischen Londinium, ein kleiner Wasserlauf namens Walbrook dessen Staunässe konservierte fast alles, was in die Erde fiel.

 

Pestopfer
Pestopfer

Neben der Baustelle von Bloomberg ist der Bau der Crossrail, eine neue Pendlerverbindung für Bahn und U-Bahn, eine wichtige Quelle für neue Funde. Es ist das größte Bauvorhaben und zugleich die größte Grabungsstätte Europas und durchquert die Stadt von Ost nach West. Seit 2009 laufen die Arbeiten. Allein die Tunnel haben eine Gesamtlänge von 42 Kilometern. Für den Bau einer unterirdischen Schalterhalle muss man auf dem alten Bedlam-Friedhof die Überreste von mehr als 3 300 Londonern exhumieren. Die meisten von ihnen waren im 16. und 17. Jahrhundert gestorben, als die Pest immer wieder in den Straßen von London wütete. In den Kirchhöfen stapelten sich damals die Leichen. Die Stadt musste handeln und beschloss, einen öffentlichen Friedhof für die vielen Toten anzulegen. Als der Friedhof um das Jahr 1738 geschlossen wurde, war er hoffnungslos überfüllt. Schätzungsweise 30000 Tote wurden dort begrabenDas ganze Spektrum der Gesellschaft ist hier vertreten, von Verrückten über Kriminelle bis zur Gattin eines ehemaligen Lord Mayor of London. Man hofft durch die Untersuchung der Knochen etwas über die Evolution des Pestbakteriums zu erfahren.

Es dürfte ein ziemlich grauenvolles Leben gewesen sein, das die Einwohner des mittelalterlichen London geführt hatten. Isotopen und Knochenuntersuchungen an Skeletten aus dem 14. und 15. Jahrhundert legen das jedenfalls nahe. Viele Menschen litten an Mangelernährung, jeder Sechste hatte Rachitis. Man quälte sich mit kaputten Zähnen und Zahnabszessen, die harte Arbeit schädigte den Rücken und überlastete die Muskeln.
Auf die Landbevölkerung, die auf der Suche nach einem besseren Leben war, dürfte die Stadt trotz allem wie ein Magnet gewirkt haben. Isotopenuntersu­chungen zeigen, dass beinahe die Hälfte der untersuchten Skelette von Personen stammen, die außerhalb der Stadt aufgewachsen waren.

Oberirdische Funde

Man muss in London aber gar nicht immer tief graben. Beeindruckende Teile der römischen Stadtmauer aus dem zweiten Jahrhundert findet ihr immer noch deutlich sichtbar, etwa in Tower Hill und in St. Alphage Garden. In der Nähe des Museum of London sprengten deutsche Bomben 1940 ein Stück der alten Befestigung frei. In einer benachbarten Tiefgarage parken heute die Autos direkt neben einem der ursprünglichen Stadttore. Und wer sich beim Friseur an der Gracechurch Street, Ecke Leadenhall Market, die Haare schneiden lässt, kann im Souterrain einen Stützbogen der römischen Basilika aus dem zweiten Jahrhundert bewundern.
Zudem bietet die Themse durch den ständigen Wechsel von Ebbe und Flute eine große archäologische Fundgrube.

Haltet also bei eurem Aufenthalt in London immer die Augen auf. Vielleicht entdeckt ihr auch noch den ein oder anderen verborgenen Schatz.

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